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Pressemitteilungen

Internationales Qualitätsnetz: Georisiken

Pressemitteilung LMU, Juli 2001:

Die Fakultät für Geowissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München richtet ein Internationales Qualitätsnetz (IQN) Georisiken ein. Das neue Programm, das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD mit rund 1 Mio. DM gefördert wird, dient der verstärkten Einbeziehung hochqualifizierter Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, Graduierter und Studierender aus dem Ausland in die Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen.

Die Institute für Geophysik und das Institut für Mineralogie, Petrologie und Geochemie der Fakultät für Geowissenschaften der LMU führen das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Heiner Igel durch.

Beteiligt sind Universitäten und Forschungseinrichtungen aus sieben Ländern: Australien (University of Queensland), Canada (University of British Columbia), China (Peking University; China Seismological Bureau, Peking Polytechnic University); Indonesien (Vulcanological Survey); Japan (University of Tokyo und Earth Research Institute, Tokyo); Neuseeland (Victoria University of Wellington); USA (Princeton University, University of Southern California und das Southern California Earthquake Center, Los Angeles; Arizona State University, Tampe).

In diesen Ländern stehen Georisiken wie Erdbeben und Vulkanausbrüche im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Ziel dieses Netzes ist die interdisziplinäre Erforschung der Phänomene die bei Erdbeben und Vulkanen auftreten, sowie eine quantitative Gefahrenanalyse für spezielle Regionen (z.B. der Vulkan Merapi in Indonesien oder das seismische Risiko im Los Angeles Becken). Die Methoden, mit denen die Fragen beantwortet werden reichen von experimenteller Mineralogie bis hin zur Simulation geowissenschaftlicher Prozesse auf dem Höchstleistungsrechner am Leibniz Rechenzentrum der of the Bavarian Academy of Sciences.

Mit dem IQN-Georisiken können pro Semester fünf Studenten an der geowissenschaftlichen Ausbildung der Fakultät für Geowissenschaften der LMU teilnehmen. Das IQN fördert auch eine interdisziplinäre Forschergruppe mit einem Postdoktoranden und 3 Doktoranden. Außerdem werden Wissenschaftler der Partnerinstitute für gemeinsame Blockkurse und Studienaufenthalte an der LMU München in die Lehre mit einbezogen. Das Projekt begann im August 2001 mit einem Blockkurs in Erdbebenphysik mit Prof. Yehuda Ben-Zion (University of Southern California).

SPICE: Erdbebenforschung jetzt in EU-Projekt europaweit vernetzt

Pressemitteilung LMU, Januar 2004:

Das verheerende Erdbeben in der iranischen Stadt Bam Ende letzten Jahres mit bis zu 40.000 Toten hat wieder einmal gezeigt, dass derartige Katastrophen zu den größten Naturgefahren für die Menschheit gehören. „Die Mechanismen, die direkt an der Erdbebenquelle passieren, sind wenig verstanden“, so Prof. Heiner Igel von der Sektion Geophysik der LMU. „Die bei Erdbeben ausgestrahlte seismische Wellenenergie liefert aber wichtige Informationen über das Innere unseres Planeten, und die dahinter stehende Physik lässt sich heute gut in dreidimensionalen Medien rechentechnisch simulieren.“ Weil für eine realistische Berechnung der Modelle aber große Computer und parallele Programme nötig sind, werden unter der Leitung Prof. Igels jetzt in dem von der Europäischen Union mit rund 5,5 Millionen Euro geförderten Projekt SPICE (Seismic wave Propagation and Imaging in Complex media: a European network) Kapazitäten europaweit gebündelt.

Vom 18.01.04 bis zum 21.01.04 fand in Sudelfeld bei Bayrischzell mit rund 40 Wissenschaftlern das „SPICE kick-off-Meeting“ statt, bei dem die Details der Forschungsprojekte festgelegt wurden.

SPICE wurde im 6. Rahmenprogramm der Europäischen Union bewilligt und gehört zu den bisher größten Marie-Curie Research Training Networks. Die Förderung begann im Januar 2004. Die Federführung des Projekts liegt bei der Sektion Geophysik des Departments für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU, beteiligt sind insgesamt aber 14 europäische Universtitäten, unter anderem die Oxford University; das Institut de Physique du Globe, Paris; die ETH Zürich, das Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia, Rom; die Universitetet I Oslo, die University of Utrecht sowie die Charles University in Prag.

In allen Bereichen der Seismologie spielen aufwändige Rechenprogramme eine immer größere Rolle, vor allem bei der Berechnung so genannter Erdbebenszenarien“, berichtet Igel. „Damit kann die Bodenbewegung nach potentiell möglichen, großen Erdbeben in der Zukunft berechnet werden.“ Dies soll die Identifizierung von Regionen erlauben, die – etwa wegen spezieller Eigenschaften des Untergrunds – stärker als andere gefährdet sind. In der globalen Seismologie sollen die neuen Rechenprogramme darüber hinaus Fortschritte bei der Auflösung tomographischer 3D-Bilder des Erdinneren liefern, was dort stattfindende dynamische Prozesse besser verstehen hilft.

Neben der gemeinsamen Forschungsprojekte soll im Rahmen von SPICE vor allem eine digitale Datenbasis mit verifizierten Rechenprogrammen erstellt werden, die dann in den Standardbetrieb seismologischer Auswertungen aufgenommen werden können. Die lokale Gefährdung bestimmter Gebiete soll mit Hilfe einer weiteren Datenbasis mit berechneten Erdbebenszenarien für eben diese Regionen, unter anderem das Kölner Becken, das Peking-Becken und Kalifornien, abgeschätzt werden. Kernpunkte der Marie-Curie Research Training Netzwerke und damit auch Schwerpunkte von SPICE sind die Mobilität und Ausbildung der beteiligten Nachwuchsforscher, etwa durch Workshops, die im Laufe des Projekts von den Partnern organisiert werden. Das elektronische Trainingsmaterial soll im Internet zur Verfügung gestellt werden.

von Richard BennettZuletzt verändert: 07.09.2006 21:53
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Ausgedruckt am 22.07.2019 04:05